Spring / Summer 2014 - Die Fashion Week in Paris

Spring/Summer 2014 - Die Fashion Week in Paris: Von tanzenden Amateurmodels und einem überraschendem Abschied

Seit knapp einer Woche ist die Pariser Modewoche nun vorbei. Und damit auch der sogenannte “Fashion Month”. Vier Wochen lang gab es jeden Tag dutzende Shows zu sehen und massenweise neue bzw. neu aufgelegte Trends wurden präsentiert.

Die Paris Fashion Week ist das Finale der internationalen Modewochen und gehört neben Mailand, New York und London zu den vier weltweit bedeutendsten Austragungsorten von Modenschauen etablierter Designer.

Meiner Meinung nach ist es auch immer noch die interessanteste der „Big Four“. Das liegt nicht nur an meinem persönlichen Faible für die Stadt an der Seine, sondern viel mehr daran, dass hier wohl noch die meisten „Überraschungen“ stattfinden. So auch diesmal.

Es war eine rasante Woche voller interessanter neuer Trends. Bereits die ersten Shows der Woche präsentierten sich betont fröhlich. So hat beispielsweise das Haus Lanvin eine Kollektion mit bunten Farben und Lurex-Materialien vorgestellt, bei Carven mochte man es noch schriller und setzte auf neonfarbene Camouflage-und Blumenprints. Der Sommer 2014 scheint ein fröhlicher Sommer zu werden, mit viel kurzen Klamotten und ziemlich viel Romantik.

Ganz im Trend dieser Fashion Week lagen Tanzeinlagen: Vivienne Westwood eröffnete ihre Show mit einer tanzenden Lily Cole und auch Jean Paul Gaultier tanzte wieder mal aus der Reihe: Er inszenierte auf dem Laufsteg einen Tanzwettbewerb im Stil der TV-Sendung „Let’s Dance“. Die Mode diente da eher als Bühnenoutfit und entsprach ansonsten eher dem, was man schon von Gaultier kennt: Schwarzes Leder, schwarze Spitze, Leopardenmuster. Tattoos, Netzstrümpfe und Armeestiefel.

Besonders gelungen wurde der Catwalk aber beim britischen Designer Rick Owens zum Dancefloor umfunktioniert. Dieser pfiff auf das gängige und oft semi-gesunde Schönheitsideal seiner Branche und schickte statt 90-60-90 Models ganze 40 Tänzerinnen über den Laufsteg, die wohl nicht den gängigen Beauty-Standarts unserer Zeit entsprachen. Ein bisschen Rebell war der amerikanische Designer ja schon immer, diesmal aber hat er es auf die Spitze getrieben, diesmal hätte niemand ahnen können, was dort auf dem Runway passieren würde: Stepptanz-Elemente, heftige Bewegungen, kämpferische Schnuten statt Schmollmünder.

Cheerleading, Tanz und Militär-Drill dienten als Quelle seiner Outfit-Inspiration und dank allerlei Zipper und der charakteristischen Wickel-Technik stand der Bewegungsfreiheit während der monatelang einstudierten Performance nichts mehr im Weg.

Das hier während der Fashion Week noch mal etwas wirklich non-konformes passierte, hat dem ganzen Event sehr gut getan.

Am vorletzten Tag der Paris Fashion Week folgte das internationale Who-is-Who der Modebranche dann der Einladung von Karl Lagerfeld für Chanel. Der Designer lud zur Präsentation seiner Kollektion wie gewohnt ins Grand Palais. Ungewöhnlich: Das gesamte Areal war zu einer riesigen, farbenfrohen Chanel Art Gallery transformiert worden.

Seine Entwürfe waren dementsprechend „arty“ und bunt: Poppig colorierte Grafik-Prints wechselten sich mit schwarz-weißen Looks ab. Elemente und Silhouetten der Sixties trafen auf Nuancen der Eighties. Klassiker wie das kleine Schwarze oder Neuinterpretationen des Tweed-Kostüms rundeten die Designs von King Karl ab.

Der Belgier Dries Van Noten war wie immer ein bisschen cooler als alle anderen Designer. So hörte man bei seiner Präsentation in einer riesigen Fabrikhalle auch keine funky Beats oder eingängigen Popsongs. Stattdessen liefen die Models zu monotonen – von Colin Greenwood von Radiohead live gespielten! – Gitarren-Riffs, das klang ungemütlich und bleiern. So als wollte er der Fashion-Meute sagen: konzentriert euch, hier kommt gleich etwas Tragendes.

Im vergangenen Jahr brachte er uns das riesige 90er-Revival und den Grunge-Look auf eine hypermoderne aber leichte Art und Weise zurück.

Für den Sommer 2014 mischte Van Noten weitere Epochen und noch mehr kulturelle Einflüsse dazu. Barock (lange Brokat-Westen, opulente Rüschen, Blumenprints wie Öl-Gemälde), Parisienne (kleinteilige Muster auf Flatterstoffen, Leo) und ganz viel Ethno in Form von Ikat- und Web-Mustern, Paspel-Ketten und Muschelgürtel.

Und das ganze passt wunderbar zusammen, denn mit einer stimmigen Farbpalette und einem unaufgeregten Mix zeigt Dries Van Noten einmal auf's neue, wofür er berühmt ist: er macht Avantgarde tragbar.

Und zu guter Letzt endete diese fulminante Pariser Fashion Week noch mit einer platzenden Bombe: Gleich nachdem der New Yorker-Kultdesigner Marc Jacobs seine All-in-Black-Kollektion am letzten Tag der Fashion Week präsentierte, wurde bekanntgegeben, dass er das Traditionshaus Louis Vuitton verlässt. In Zukunft will er sich auf sein eigenes Label konzentrieren.

Der nächste wichtige Termin sind die Haute Couture Schauen im Januar in Paris, und ich freue mich schon wahnsinnig auf die nächste Runde! In diesem Sinne: à bientôt ; )

 
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